Tobias Rohrberg tritt ab
Interview Der Fraktionschef von Bündnis 90/Grüne in Petershagen-Eggersdorf gibt Funktion und Mandat auf. Was steckt hinter seiner Entscheidung?
Tobias Rohrberg ist seit 2019 kommunalpolitisch aktiv, gehörte als Fraktionsvorsitzender zu den umtriebigsten und streitbarsten Gemeindevertretern in Petershagen-Eggersdorf. Nun hat der 1975 geborene Politologe zum 1. Februar seinen Mandatsverzicht erklärt.
Herr Rohrberg, der Rückzug kommt für viele sicher überraschend. Was ist der Grund dafür?
Ich hatte mich 2024 sehr über das große Vertrauen bei der jüngsten Wahl gefreut ...
Sie fuhren das siebtbeste Einzelergebnis ein …
… was relativ überraschend war, auch weil ich parallel in den Kreistag gewählt worden bin, obwohl ich ziemlich weit hinten auf der Liste stand. Inzwischen habe ich feststellen müssen, dass mich zwei Mandate neben dem Vollzeitjob an meine Grenzen bringen. Deswegen ziehe ich mich jetzt aus der Gemeindevertretung zurück, um mich künftig ganz auf die Arbeit im Kreistag MOL konzentrieren zu können.
Sie waren vielfach spürbar einer der exponiertesten und streitbarsten Kommunalpolitiker im Doppeldorf. Fällt der Rückzug da schwer?
Ja, durchaus. Da steckt sehr viel Herzblut drin – und ich habe mir diese Entscheidung, die ich länger abgewogen habe, nicht leicht gemacht. Man gibt all das nicht gerne auf. Fakt ist aber, ich mache das jetzt in der zweiten Legislaturperiode, und da kann man für neue Impulse auch Verantwortung abgeben.
Was würden Sie sich nach knapp sieben Jahren Engagement persönlich als Erfolg anheften, was haben Sie maßgeblich mit anstoßen können?
Da denke ich vor allem an die Radwegekonzeption. Das war schon ein großer Schritt. Zuvor haben wir uns zu Radwegen ja immer nur begleitend zu einzelnen Straßenbauvorhaben verständigt. Erstmals wurde damit das Thema übergreifender behandelt, haben wir uns dazu gleich den ganzen Ort angeschaut. Außerdem ist da Tempo 30 in der Uhlandstraße, das wir nach langem Kampf gegen mancherlei Widerstände durchsetzen konnten. Und ich möchte an die angestoßene Debatte zu den kommunalen Wohnungen erinnern.
Gibt es Themen, wo Ihre bisherigen Fraktionskolleginnen und der oder die Nachrückende unbedingt besonders am Ball bleiben sollten?
Das ist gerade der kommunale Wohnungsbau, wozu die Diskussion längst nicht beendet ist. Dass sie gegenwärtig eher in die Richtung geht, Immobilien verkaufen zu wollen, halte ich für falsch. Ich finde es extrem wichtig, diesen Goldschatz, den wir da haben, nicht aus der Hand zu geben, sondern – möglicherweise auch mit privaten Partnern – weiterzuentwickeln. Dahingehend gebe ich unserer Fraktion den Rat, sich weiter mit voller Kraft einzusetzen. Und auch weiterhin für den Erhalt des naturnahen Charakters des Ortes zu kämpfen. Die Natur kommt immer stärker unter Druck, wenn es nicht eine laute Gegenstimme gibt.
Wer wird Ihnen als Fraktionschef nachfolgen?
Darauf muss sich dann die Fraktion verständigen. Ich fände es sehr gut, wenn es eine Frau wird. Ich halte es im Jahr 2026 für ein absolutes Armutszeugnis, dass bei uns Bürgermeisteramt, Vorsitz der Gemeindevertretung und alle Fraktionsvorsitze bisher komplett männlich besetzt sind, die größte in der Gemeindevertretung vertretene Partei sogar nicht mal eine einzige Frau in ihren Reihen hat. In den Diskussionen sind da oft die Platzhirsche führend, nehme mich da selbst nicht aus. Ich glaube, dass eine Frau an der Spitze zumindest einer Fraktion ein echter Gewinn wäre – auch für die Debattenkultur.
Wie schätzen Sie denn als nun Ausscheidender die aktuelle Atmosphäre in der Doppeldorf-Kommunalpolitik ein? Was geben Sie ihren bisherigen Kolleginnen und Kollegen zum Abschied mit auf den Weg?
Ich glaube, wir können uns in der Gemeinde schon glücklich schätzen, grundsätzlich einen sachlichen Dialog zu haben, obwohl manche Diskussionen sehr zugespitzt sind. Ich räume freimütig ein, dass auch ich selbst manchmal einen Anteil daran hatte, dass bestimmte Debatten angeheizt wurden. Da würde insgesamt sicher noch mehr Ruhe und Sachlichkeit nicht schaden. Es ist aber ratsam, sich mit klugen Ratschlägen zurückzuhalten, wenn man abtritt.
Die Natur kommt immer stärker unter Druck, wenn es nicht eine laute Gegenstimme gibt. Tobias Rohrberg Grünen-Fraktionschef